Gute Vorsätze

„Kerngesund, durchtrainiert, Weltmeister im Schach und Boxen . “ (Peter Fox)

Im nächsten Jahr wird alles anders. Zu jedem Jahreswechsel das gleiche Spiel. Von allen Seiten wird dir suggeriert, dass es so nicht weiter gehen kann. Das dein jetziges Ich nicht gut genug ist, um mit dir deine Zukunft zu bestreiten. Ungeachtet dessen, dass ihr zwei es schon eine ganze Zeit gut zusammen ausgehalten habt, scheint eure Beziehung doch auf den 31.12. terminiert.

„Alles neu“ ist die Devise, neuer Job, mehr Sport, gesündere Ernährung – ein neues Ich. Zu keinem Zeitpunkt im Jahr haben die Fitnessmodels eine dermaßen Hochkonjunktur in der Medienlandschaft. Und wer ist bei den Bildern und der Vision eines neuen Ichs nicht schon mal schwach geworden? Ich bin es – und das nicht nur einmal. Also habe ich mich mal mit meinem alten Ich hingesetzt und ein ernsthaftes Gespräch geführt. Wir waren nicht immer einer Meinung, es sind böse Worte gefallen und auch Tränen geflossen. Am Ende jedoch haben wir uns mit dem letzten Donnerschlag der kommunistischen Einheitsfeuerwerksbatterie meines Nachbarn vernünftig und zivilisiert verabschiedet und unsere doch so innige Beziehung wegen „unüberbrückbarer Differenzen“ beendet.

Die anfängliche Euphorie verlieh meiner neuen Affäre Flügel, alles schien perfekt. Doch ist es wie so oft im Leben – wie auch bei vielen extrakorporalen Beziehungen – man erkennt erst was man aneinander hatte, wenn die einstige Vision eines besseren Leben zum Alltag wird. Und es kommt wie es kommen musste. Eines Sonntagsnachmittags landet man bei bestem Laufwetter wieder ungeschönt mit einem Topf Eiscreme und einer Dose Sprühsahne zusammen im Bett. Und es ist als wäre nie etwas zwischen uns gewesen. Wir leben wieder glücklich und zufrieden zusammen – bis wir viele Monate später bei eisigem Wetter im Anflug einer kurzen Winterdepression den Fehler machen, zusammen mit einem Teller voll von kalten Weihnachtsessensresten den Weg vor den Spiegel anzutreten. Um sich auszumalen was dann passiert, braucht man kein Genie sein …

Einige Jahre später habe ich nun aufgehört mit diesem ewigen Kreislauf. Und die aktuelle Bestandsaufnahme. Ich fühle mich nicht so weit von meinem einstigen Ideal entfernt. Ich nehme keine illegalen Substanzen, ich trinke kaum Alkohol, was hauptsächlich an den üblen Katerfolgen liegt, die einen nach seinen Zwanzigern ereilen, ich esse kein Fleisch und habe mich auch mit dem Sport arrangiert. Nichts von diesen Tatsachen hatte etwas mit einem Jahreswechsel zu tun. Alles scheint irgendwie perfekt. Doch jetzt, wo mein Nikotin freier Jahrestag bereits zum zehnten Mal an mir vorbei gestrichen ist, habe ich nur einen Gedanken. Im nächsten Jahr besinne ich mich wieder auf meine Wurzeln.

Im nächsten Jahr fange ich endlich wieder mit dem Rauchen an.

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