Der Schwänzeltanz der Bienen

„Und diese Biene, die ich meine, nennt sich Willi“  (frei interpretiert von Karel Gott)

Wenn mir eins aus meinem Biologieunterricht am Gymnasium noch in Erinnerung geblieben ist, dann ist es dieses uralte Video über den Schwänzeltanz der Bienen. Die mitgenommene Filmrolle, die wahrscheinlich schon in den letzten zwei Generationen in Endlosschleife lief, wurde eingelegt und der Old School Countdown, der langsam runter zählt, flackerte auf –  bis die große Action begann. Bienen treffen auf Ihresgleichen und in einer aufwändigen Abfolge tanzähnlicher Bewegungsmuster werden existenzielle Informationen über Futter und Futterquellen weitergeleitet. Jede Biegung, jede Schleife im Tanz hat seine Bedeutung. Eine ziemlich clevere Idee der Natur so das Überleben einer „primitiven“ Art zu sichern.  Ich muss wirklich zugeben, dass aus den 8 Jahren dieses naturwissenschaftlichenen Faches wirklich nicht viel mehr in meinem Kopf übrig geblieben ist – das alleine ist schon traurig und könnte eine  eingehende Betrachtug vertragen.  Viel trauriger ist es jedoch, dass mir erst zwei Jahrzente später auffällt, wie fleissig dieses Verhalten doch auch von einer uns auf den ersten Blick artverwandten Spezies imitiert wird – den „Business-Menschen“.

Jedes geschäftliche Treffen folgt dem gleichen Schema, der gleichen einstudierten Choreographie. Wobei hier im Gegensatz zu den weiblichen Bienen der Schwänzeltanz doch um einiges buchstäblicher interpretiert wird. Der Countdown startet, der Gast  wird für knappe fünf Minuten wie ein ebensolcher behandelt. Es wird höflich nach dem Befinden, der Anreise und natürlich der bevorzugten  Darreichungsform des Kaffees gefragt.  Wenn das gesellschaftlich notwendige Vorspiel abgehakt ist, kann auch hier die Action beginnen. Die nächsten Stunden des Informationsaustausches werden damit verbracht, klarzustellen, welches Unternehmen am Tisch den Längsten hat, wie viele andere Optionen als die gegenüberliegende Partei der Markt noch bietet und wie wenig abhängig man doch von diesem Treffen ist.  Der Wahrheitswert dieser Faktoren bestimmt wie häufig die eine Partei, die schlechten Witze der anderen Partei mit einem aufgesetzen Lachen kommentiert. Zum Schluss wird sich dafür entschieden, dass man sich vorerst noch nicht entscheidet, damit der Schwänzeltanz eine Berechtigung auf Fortsetzung findet. Die Protagonisten gehen wieder zurück zu ihrem Stamm um wider herum in einstudierter Manier mitzuteilen, wie wichtig und anstrengend doch dieses Treffen war. In dem Moment wird die eigene Schwanzlänge in den Vordergrund gebracht, um auch hier klar zu stellen, dass die eigene Person bei einer Fortsetzung unabdingbar ist.

Zugegeben, der Vegleich hinkt stellenweise, doch wer schon häufiger das Glück hatte, dem rituellen Treiben eines Meetings oder – noch exklusiver – einer Verhandlung beizuwohnen, wird mich verstehen. Die Bilder und das lautstarke Summen werden nie wieder aus meinem Kopf verbannt werden können. Und schlussendlich bleibt eine Übereinstimmung. Denn auch diese scheinbar kultivierteste Form des Schwänzeltanzes hat nur ein Ziel: Das Überleben einer primitiven Art zu sichern.

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