Wir sind die Guten

Hohe Berge, weite Täler,
klare Flüsse, blaue Seen,
dazu ein paar Naturschutzgebiete,
alles wunderschön. (Die Toten Hosen)

Die Sache mit der Selbstreflexion ist nicht so ganz leicht, das Ganze wird nicht besser, wenn wir beginnen, dass Handeln unserer eigenen Gesellschaft zu reflektieren. Aus der Distanz ist alles immer einfacher zu betrachten. So ist es schön, durch andere Länder zu reisen und Kopf schüttelnd durch die Gegend zu gehen, um festzustellen, dass wir doch alles richtig machen.

Ein Land, das es einem einfach macht, sich in seinem eigenen Handeln extrem gut zu fühlen ist Indonesien. Denn wer sich einmal quer über Bali bewegt hat, wird wissen, diese Insel ersäuft in ihrem eigenen Müll. Überall entlang der Reisfelder stapelt sich das Plastik. Der wenige Müll, der gesammelt wird, landet an steilen Hängen, um die Flussautobahn Richtung Ozean zu nehmen. Auf einer Fährfahrt zwischen zwei Inseln, renne ich für jeden Schnipsel meiner Schokoriegelverpackung einmal quer über den Kutter, um einen Mülleimer zu suchen, um kurz vor dem Anlegen am nächsten Hafen feststellen zu müssen, dass diese Eimer einmal über Bord ins Meer geleert werden. – Immer diese Entwicklungsländer, keine Idee vom Umweltschutz.

Etwas weiter westlich, auf Sumatra, wird die Sache nicht besser. Die gesamte Insel war einst von einem zusammen hängenden Regenwald bewuchert. Ein Teil der „grünen Lunge“ unseres Planeten. Doch die Indonesier scheint das nicht zu kümmern, denn mittlerweile sind Großteile des Gebietes gerodet worden, um gewinnbringende Palmölplantagen aus dem Boden zu stampfen. Doch irgendwie ist es jedem Einheimischen dort egal, dass diese Palmölplantagen den Boden nach kurzer Zeit für Jahrzehnte völlig unbrauchbar machen. Westliche Nationen – Länder, die sich auskennen – müssen hier wieder retten und mit Umweltschutzprojekten die letzten Regenwälder unserer Erde sichern und die natürlichen Lebensräume der letzten Orang Utans bewahren. Es werden Millionen für Auswilderungsprogramme gesammelt, denn irgendwer muss sich ja darum kümmern und wer könnte das besser als wir?

Genau wer könnte das besser als wir? Denn schließlich sind wir die Erfinder der Plastikverpackungen und haben dafür gesorgt, dass sich diese auf der ganzen Welt verteilen. Und wir beherrschen die Schubladentechnik. Schublade auf – Müll rein – Schublade zu. Wir gehören zu den sauberen Ländern. Denn wir verbuddeln unsere Altlasten. Na gut, wir müssen zukünftig etwas aufpassen, wo wir bauen, damit wir nicht wieder irgendeine Giftmülldeponie aufreißen, aber ein bisschen Schwund ist immer. Außerdem kennen wir uns aus mit Waldrodungen, denn auch Europa sah vor den Industrialisierungswellen mal etwas anders aus. Auch hier haben mal mehr Arten gelebt. Daher wissen wir jetzt ja auch, dass es falsch ist, die Natur um uns herum platt zu machen. Somit ist es für unsere Großunternehmer auch viel unverfänglicher geworden, für die „erneuerbaren grünen Energien“ z.B. Palmöl, Entwicklungsländer ohne nennenswerte Einnahmequellen zu bestechen ihre Waldflächen zu zerstören. Somit bleiben wir doch irgendwie die Guten in unserem Vorzeigeland und können mit unseren großherzigen Taten die Welt retten. Was sind das nur für zurückgebliebene Länder, die einem kleinen Baby Orang Utan mit großen Kulleraugen den Lebensraum nehmen. Da lob ich mir doch unsere erfolgreiche Integration zurückgekehrter Arten. Denn wir haben schließlich unseren Bären Bruno mit offenen Armen in Deutschland empfangen – und einem Schrotgewehr.

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