Yolo

Ein bisschen Größenwahnsinn kann nicht schaden
und auf einmal können Sie fliegen. Denken Sie groß! (Deichkind)

Wir bedienen uns an Produkten, die damit werben „Die Gedanken sind frei“, doch wenn wir dieses Motto leben, werden wir bestenfalls als naiver Traumtänzer bezeichnet. Als Kind ist das alles kein Problem. Da ist es völlig in Ordnung grenzenlos zu träumen. Bis zu einem gewissen Alter darfst du sagen, dass du Astronautin oder Rennfahrerin werden willst und erntest dafür noch ein strahlendes Lächeln. Aber spätestens als Teenager wirst du bei der Antwort nach deinem „wirklichen“ Berufswunsch gefragt. Neulich habe ich einen Studienbewerber getroffen, der eindeutig einen Faible für Astronomie hat. Bei der Frage, ob er auch in die Richtung studieren möchte, kam nur die Antwort: „Erst wollte ich das, aber jetzt denke ich mir vielleicht ist Industriedesign auch nicht so schlecht.“

Auf der einen Seite wird Schulabgängern geraten, sie sollen erst einmal etwas Vernünftiges lernen, bevor sie ihre verrückten Ideen verwirklichen. Auf der anderen Seite bekommen Mittdreißiger gesagt, dass es jetzt für einen Neustart zu spät ist. Warum denken wir nicht von vorneherein groß? Warum kann ein Plan B nicht genau das sein – ein Plan B, der erst in Angriff genommen wird, wenn Plan A gescheitert ist? Höchstwahrscheinlich haben wir nur diese eine Zeit im Diesseits. Und wenn ich mich zu alt fühle um meinen einstigen Traum zu verwirklichen, sollte ich mir bewusst machen, dass die Schlussfolgerung aus „jetzt auch nicht mehr“ – ein „NIE“ ist.

Warum liegt unserer Gesellschaft so viel daran die Leute wieder „zurück auf den Teppich zu holen“??? Wir feiern fremde Menschen als Helden auf der Bühne oder der großen Kinoleinwand und halten gleichzeitig unseren Nachbarn für verrückt, weil er ernsthaft Schauspieler werden will. Für mich ist nichts schlimmer, als mir in 30 Jahren vor Augen zu führen, was ich eigentlich alles in meinem Leben mal machen wollte. Träume haben keinen Platz für Bescheidenheit und Tiefstapelei, da gilt – Nicht kleckern, sondern protzen.

Yolo – you only live once – hat es in Magazine und Werbung geschafft. Doch die Lifestyle-Suggestion verkauft nicht mehr als Erfrischungsgetränke und Rezepte für den Cheatday. Verrückte Welt – denn das heißt übersetzt nichts anderes, als dass wir uns auf die kleinen Dinge im Leben konzentrieren sollen und dort unsere konforme Individualität austräumen, dafür jedoch unsere eigentlichen Ziele in den Wind schießen. Anscheinend hat die Masse auf dem Teppich Angst bald keine Masse mehr zu sein. In meiner Welt ist die Sache ganz einfach, wenn du mit seinen Träumen davon fliegst, müssen die anderen wenigstens zu dir aufschauen.

Ich für meinen Teil werde mich jetzt nach Hause zurück ziehen und mir doch noch mal den Wunsch mit der Operngesangskarriere durch den Kopf gehen lassen – mal sehen, was meine Nachbarn dazu sagen.

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