Die Jugend von heute

Why so serious?
So raise your glass if you are wrong
In all the right ways.“
(Pink)

Wenn ich mir eins in meiner Endteenagerzeit geschworen habe, dann, dass ich niemals den Satz in den Mund nehme: „Also, diese Jugend von heute… zu unserer Zeit hätte es so etwas wirklich nicht gegeben“. Wer von uns hatte schon Lust immer wieder die Geschichten aus alten Tagen zu hören, welche Pflichten mit dem damaligen Jung sein verbunden waren? „Wir mussten früher das … wir mussten früher jenes.“ Es war für uns die klassische Einleitung das Surren im Kopf zu aktivieren und deinen Gegenüber gedanklich auf Mute zu stellen. Denn sind wir mal ehrlich, es gibt effektivere Methoden, an die Aufmerksamkeit von 16 bis 20-Jährigen zu kommen, als immer wieder in dieser Art und Weise von der Vergangenheit zu predigen.

Na gut, vielleicht waren wir ab und an ein wenig laut, aber wir mussten schließlich auch ordentlich unsere Musik zelebrieren. Und ja – vielleicht ist auch bereits etwas vor dem legalem Alter mal die ein oder andere Zigarette dabei gewesen, aber betrunken hatten wir den Nikotinschmacht einfach nicht unter Kontrolle 😉 Zu Zeiten, in denen wir selber für unsere Ernährung verantwortlich waren, gab es Pizza, Pasta und Pommes. Damals wurden die Partys von Freitag bis Sonntag gefeiert und es ging ohne Probleme schlaflos am Montag wieder in die Schule oder später in die Ausbildung. Die wenigsten von uns wussten bis kurz vor ihren Bewerbungen, was sie eigentlich machen wollten in ihrem Leben. Aber es war unser gutes Recht – denn wir waren die Jugend. Und irgendwie sprach auch die Vergangenheit für uns. Denn wer konnte die Generation unserer Eltern schon ernst nehmen, wenn sie sich hierüber beschwerten? Sie waren die 68er Sprosslinge – Die „Erfinder“ von Flower Power, Kiffen und Woodstock. Die viel bekundete Zielstrebigkeit ist bei ihnen auch nur retrospektiv in die frühen Jahre gerutscht.

Mit diesem Wissen und dem eigenen Background hätte ich nicht erwartet, dass es mir irgendwann doch passieren könnte. Dass ich plötzlich einmal Ende Dreißig bin, die Musik mittlerweile Samstagmorgens und nicht Freitagsabends laut aufdrehe, einen gesunden Lebensstil führe und plötzlich an einem Punkt bin, festzustellen „Was ist nur aus dieser Jugend geworden?“ Es ist viel schlimmer, als ich es mir je hätte träumen lassen und plötzlich kann ich unsere Eltern und deren Fassungslosigkeit verstehen.

Plötzlich tauchen um mich herum am Arbeitsplatz immer wieder Azubis auf, die ihr Gemüse zur Mittagszeit auspacken, regelmäßig Sport treiben, mit ihren Freundinnen und Freunden ruhige romantische Wochenenden verbringen, ehrgeizige Ziele haben, nach der Ausbildung noch ein duales Studium anstreben oder sich parallel noch eine kleine Selbstständigkeit aufbauen. Ich bin schockiert. Wie konnte so etwas passieren, wie konnten plötzlich Zwanzigjährige meine Generation in Sachen Seriosität überholen. Ja, und plötzlich finde ich mich in einer Position wieder, in der ich predige: „So etwas hätte es zu meiner Zeit nicht gegeben.“ Und ich frage mich, wie ich es deutlich machen soll, dass es eine wichtige, emotional bindende Erfahrung im Leben ist, seiner Freundin beim Kotzen in der Besenkammer einer Kneipe die Haare zu halten, doch alles was bei mir raus kommt ist: „Kein Alkohol ist auch keine Lösung“.

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