Von großen Stoßzähnen und leuchtenden Hintern

„So show me yours I’ll show you mine ‚Tool Time'“ (Bloodhound Gang)

Als „Survival of the Fittest“ hatte es u.a. Darwin schon bezeichnet – was übersetzt nicht viel anderes bedeutet, als dass derjenige, der sich mit gewissen Merkmalen gegenüber seiner Konkurrenz durchsetzen kann, auch zum Schuss in Sachen Fortpflanzung kommt.

Paradiesvögel führen einen der auffälligsten Balztänze auf, um ihren Gegner vor einem möglichen Paarungsritual einzuschüchtern. Pfauen schmücken sich mit hunderten von Augen, um als Sieger bei den Weibchen hervorzugehen. Fische leuchten in allen Farben, um die Aufmerksamkeit des Gegenübers auf sich zu ziehen. Adéliepinguin bauen ein attraktives Nest und laden praktischerweise gleich zum „Probeliegen“ ein (ein bisschen plakativ, scheint aber zu funktionieren :)). Elefantenbullen ringen mit ihren mächtigen Stoßzähnen, was wohl nicht viel Interpretationsbedarf lässt. Bisons knallen gleich mit dem Köpfen aneinander. In Teilen von Papua-Neuguinea ritzen sich die Männer „Krokodilsnarben“ auf den Körper, u.a. um männlicher zu wirken und natürlich auch mal wieder bei dem anderen Geschlecht zu Punkten. Und wer denkt, es handelt sich hier nur um eine männliche Eigenschaft – weit gefehlt. Denn ein Pavianweibchen verführt mit seinem rot leuchtenden Hinterteilen (über Geschmack lässt sich nun mal nicht streiten). Und auch bei anderen Kulturen mischen die Frauen bei dem Spiel mit. So gilt bei den Padaung als chic, sich die Hälse mittels stetig anwachsenden Halsringe anatomisch zu verlängern. Bei den Mursifrauen wird ein Lippenteller eingesetzt, je größer desto besser.

Wir hingegen leben in einer materialistischen Welt und haben angefangen unsere „Pfauenfedern“ zu kultivieren. Im Klartext heißt das: „Mein Haus. Mein Auto. Mein IPhone.“ Oder um mal bei den Klischees zu bleiben, wurden beim weiblichen Geschlecht die rot aufleuchtenden Pavianhintern und die Lippenteller durch Make-Up und Silikon ersetzt. Denn auch wenn wir das Ganze ein wenig intellektuell aufhübschen möchten und wir in unseren Designerschlafzimmern ein „Probeliegen“ anbieten, bedeutet es doch auch nichts anderes, als dass wir unsere Stoßzähne abmessen und schauen, wer gewinnt. Das ist alles nicht neu. Doch das Ausmaß ist wirklich amüsant. Wahrscheinlich können wir die eigentlichen Werbebotschaften von 90% aller Spots auf die eine entscheidende Aussage reduzieren: „Sei heißer als deine Konkurrenz“ und das konsequent von der Aknecreme bis zur Baufinanzierung.

Dieses ganze Balzverhalten führt schon im Tierreich teilweise zu einem tödlichen Ausgang. Schlimmer wird das alles jedoch noch, wenn sogenannte Staatsmänner die Balzfläche betreten und wie beim Quartett spielen, die Durchschlagskraft und Reichweite ihrer Waffen vergleichen. Da sitzt so ein verwöhnter, realitätsfremder Kim Jong-un an seinem Tischchen im Kinderzimmer und versucht mit seinem Spielzeug, die Welt davon zu überzeugen, dass er doch den Längsten hat. Und auf der anderen Seite des Pazifiks sitzt nicht gerade die hellste Kerze auf der Torte in seinem Präsidenten-Karnevalskostümchen in einem großen Haus und beginnt sich die Hose aufzuknüpfen.

Und bei allem Hin und Her vergessen beide Seiten, warum der kleine Nordkoreaner das noch nicht mit mehr Härte beim Herrn Obama versucht hat. Denn an dieser Stelle bringen mir Klischees ein Grinsen ins Gesicht 🙂

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